Professioneller Eindruck dank guter Manieren

04. Juni 2008
Um das Vertrauen seiner Patientinnen zu gewinnen, reichen gutes Fachwissen und Empathie nicht aus. Professionalität wird auch durch gute Umgangsformen vermittelt, so ein aktueller Beitrag im New England Journal of Medicine.

Die Erfahrung zeigt, dass Patienten sich in der Regel einen mitfühlenden Arzt wünschen. Häufige Beschwerden beziehen sich jedoch meist weniger auf das Gefühl nicht verstanden zu werden oder auf mangelndes Mitgefühl, sondern auf fehlende Manieren, so Michael Kahn, Psychiater des Beth Israel Deaconess Medical Center der Harvard Medical School in Boston.


Diesem Aspekt der Arzt-Patienten-Beziehung wird in der Ausbildung von Medizinern kaum Rechnung getragen. Die für Ärzte geltenden Regeln unterscheiden sich hier von denen anderer Serviceanbieter, die mit ihrem Verhalten explizit zur Kundenzufriedenheit beitragen wollen. Warum also sollten nicht auch in der Medizin gute Umgangsformen das Patientenverhältnis und möglicherweise den Therapieerfolg günstig beeinflussen?

Kahn schlägt eine Checkliste für ärztliche Umgangsformen vor. Beim Erstkontakt im Krankenhaus sollte der Arzt etwa zunächst fragen, ob er eintreten dürfe und die Antwort abwarten. Sich selbst vorzustellen und sich gegebenenfalls auszuweisen sowie dem Patienten die Hand zu geben sollte ebenfalls selbstverständlich sein. Solche Checklisten haben den Vorteil der Klarheit und Effektivität, sind leicht zu praktizieren und auch auf Gesprächssituationen außerhalb der Klinik übertragbar.

Hände zu schütteln, sich während des Gesprächs hinzusetzen und aufmerksam zuzuhören - alle diese Verhaltensweisen bilden auch eine wichtige Grundlage für die Kommunikation mit der Patientin in der gynäkologischen Praxis. Sie vermitteln beiden Gesprächspartnern Sicherheit, erzeugen bei der Patientin den Eindruck der Professionalität und sind für die Patientenzufriedenheit von grundlegender Bedeutung. Umgangsformen und Manieren sind im Übrigen auch rituelle Elemente, die schon immer einen wichtigen Teil des Heilungsprozesses ausgemacht haben.

Quelle: Nach Informationen des New England Journal of Medicine, Mai 2008   

 

 

Weiterführende Links:

Original-Artikel im NEJM »